»Wir wollen auf der Bühne die Dinge nicht mehr so sehen, wie wir wissen, daß sie sind, sondern so, wie wir sie empfinden.« Adolphe Appia
Der Schweizer Bühnenbildner und Theoretiker Adolphe Appia studierte in Genf, Paris, Leipzig und Dresden Musik und widmete sein Leben der Reform der Inszenierung – im Besonderen den Werken von Richard Wagner.
Er verfertigte 1891/1892 Regiebücher und Skizzen zu Wagners Ring des Nibelungen, den Meistersingern und zu Tristan. 1895 verfasste er seine erste Reformschrift La mise en scène du drame wagnérian, der 1899 sein Hauptwerk Die Musik und die Inszenierung folgte, in welchem er das Zusammenspiel der Bewegung des Schauspielers, des Raumes und des Lichts forderte. Der Bühnenraum soll ebenso dreidimensional erscheinen und wahrnehmbar sein, wie der Körper des Schauspielers selbst.
1911-1914 entwickelte Appia mit Émile Jaques-Dalcrozes die »Espaces rhytmiques« und realisiert mit ihm Aufführungen in Hellerau bei Dresden. Mit Arturo Toscanini brachte er 1923 Tristan und Isolde auf die Bühne und schuf danach die Bühnenbilder für Wagners Rheingold und Walküre.
»Appia hat mir den Mut gegeben, das zu tun, was ich mache. Er ist für uns alle im modernen Theater sehr wichtig. Sein Theater ist architektonisch konstruiert, mit einer unverhüllten Dynamik und schönen Proportionen. Sein Licht für die Bühne ist von der Architektur her gedacht, mit starken, kraftvollen Linien. Er hat ein komplettes Vokabular für das Theater entwickelt.« Robert Wilson
»Appia hat uns neue Wege eröffnet. Er hat uns zur Größe zurückgeführt und zu den ewigen Prinzipien. Er war Musiker und Architekt und hat uns gelehrt, daß die musikalische Dauer, die die dramatische Handlung einhüllt, bestimmt und regelt, gleichzeitig den Raum entstehen läßt, in dem die Handlung sich abspielt.« Jacques Copeau
Mehr Infos finden Sie unter:
www.festspielhaus-hellerau.de
Artikel aus dem Magazin der Wiener Staatsoper
Beacham, Richard C.
Appia, Adolphe