
Cinema 57: Begrenzungen
Schweizer Filmjahrbuch
208 Seiten
Schueren Verlag
im Abo: 19,90 €
ISBN: 978-3-89472-608-9
25.00 €
In der Produktion wie bei der Projektion sind dem klassischen Filmbild Grenzen gesetzt: Der Kameramann wählt die Cadrage, die Kamera nimmt einen Ausschnitt auf, später wird ein begrenztes Bild projiziert oder auf einem Bildschirm wiedergegeben.
Innerhalb dieser engen technischen Vorgaben scheinen die Möglichkeiten jedoch grenzenlos: Seit der Erfindung des Kinos werden stets neue Dimensionen ausgelotet, innovative Filmemacher sprengen immer wieder formale und inhaltliche Grenzen, spielen mit den Begrenzungen von Genres und ästhetischen Traditionen.
In CINEMA 57 liegt das Augenmerk auf den unterschiedlichen technischen, formalen, ökonomischen und inszenatorischen Aspekten, welche diese Begrenzungen mit sich bringen. Andererseits fragen wir danach, wie Grenzen inszeniert werden: in Zeiten der Globalisierung, der Flüchtlingsströme, Arbeitsmigration und zunehmender Mobilisierung sind Grenzen und Ausgrenzung, aber auch der Blick über Grenzen in transnationale Räume brisant – auch für das Kino. So beschäftigt sich ein Beitrag mit Filmen, die das Schicksal italienischer Gastarbeiter in der Schweiz thematisieren, ein anderer widmet sich dem Klassiker Die letzte Chance von Leopold Lindtberg (CH 1945), in dem die Flucht zweier geflohener Kriegsgefangener und einer Flüchtlingsgruppe in die Schweiz erzählt wird. Ein weiterer Text spürt den Zwischenorten in Filmen der iranischen Diaspora nach.
Auch Filmschaffenden werden immer wieder Grenzen gesetzt – primär durch die ökonomischen Mittel. In diesem Zusammenhang schildert ein Erfahrungsbericht, wie ein ambitionierter Low-Budget-Film dramatisch Schiffbruch erlitt. Zudem geben der Filmemacher Christoph Schaub und der Produzent Marcel Hoehn anlässlich ihrer aktuellen Grossproduktion Nachtlärm Auskunft über ihre langjährige Zusammenarbeit sowie über Vor- und Nachteile von Koproduktionen.
Filmschaffende lassen sich auch immer wieder von anderen Kunstformen inspirieren. Gerade an der Schnittstelle zur bildenden Kunst entstehen so faszinierende Projekte oder gar neue künstlerische Ausdrucksformen: Eine Recherche ist dem Expanded-Cinema in der Schweiz gewidmet – einer Kunstpraxis, die ab den 1950er-Jahren ganz neue Kinoerfahrungen evozierte.
Nicht zuletzt widmet sich CINEMA 57 auch den Filmfiguren: Bereits die griechische Tragödie kannte Figuren, die sich auf kompromisslose Art und Weise nicht mit Begrenzungen abfinden wollten. Ein Text analysiert die von Klaus Kinski verkörperten Eroberer-Figuren in den Filmen von Werner Herzog und zeigt, wie deren Überheblichkeit unweigerlich zum Scheitern führt. Was hingegen passiert, wenn Filmfiguren eingesperrt und von der Aussenwelt isoliert werden, nimmt ein weiterer Artikel unter die Lupe.
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