Die Geschichte der Medizin spiegelt den Umgang mit dem kranken Menschen, mit Elend und Siechtum. Kaum eine Berufsgruppe geht so nahe an menschliche Tabugrenzen wie Ärzte und Krankenschwestern. Die moderne Medizin hat in ihrer 500-jährigen Geschichte ein riesiges Arsenal an Strategien und Techniken entwickelt, um der Bedrohung durch Elend, Schmerz und Tod Herr zu werden. Der Patient ist ihr derweilen entglitten. Er wurde (und wird) in Anamnese, Untersuchung und Diagnose in Bestandteile zerlegt und jedweder Individualität beraubt. Die Fortschritte der modernen Medizin sind somit teuer erkauft. Bernhard Kathans "andere Geschichte der Medizin" ist eine kritische Beleuchtung der medizinischen Fortschrittsgeschichte. Von den Sektionen am Beginn der Neuzeit über die frühen Kliniken bis hin zur hochtechnisierten Medizin hat sich jeweils das behauptet, was half, eine möglichst große Distanz zum Patienten zu gewährleisten. Allerdings trägt auch der Arzt die Kosten dieser Organisation. Er bezahlt seine scheinbare Sicherheit mit einer unvorstellbaren Betriebsamkeit, die notwendig ist, um über jene Zweifel hinwegzutäuschen, die seine Arbeit begleiten.
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