Elinor, eine unscheinbare junge Frau muss weg von ihren Eltern, raus in ein schnelles, oberflächliches Leben. Sie trifft auf schillernde Figuren, jede mit sich selbst beschäftigt, leidenschaftlich auf der Suche nach Nähe und Aufmerksamkeit. In schnellen Dialogen kämpfen Sie um ihre Sehnsüchte und Vorstellungen von Liebe...
PERSONEN
ELINOR
Mitte 20. Eher unauffällig. Lebt zusammen mit dem Vatermutter.
»Ich bin ca. 1 Meter 60 groß, habe dunkelbraune Haare - der Pony wächst gerade raus - im Sommer habe ich Sommersprossen, im Winter meistens kalte Füße. Das ist alles, was ich weiß.«
DAS VATERMUTTER
um die 60. Zwitterwesen Mann/Frau, spricht aus zwei Mündern.
»Tu, was wir dir sagen. Uns ist kalt. Zieh dir etwas an.«
ELIAS
Anfang 30. Mann, dem Frauen nachschauen. Jungenhaft.
»Nächstes Jahr kaufe ich mir einen Hund. Ich werde mein Leben nach ihm richten. Dreimal am Tag spazieren, zweimal essen,
Pinkeln im Stehen und Sex nur von hinten.«
K.
Ende 20. Großer Hektiker. Schicker Anzug. Für irgendwas berühmt.
»Mein neues Hobby ist es, namhafte internationale Hotelketten durchzuwohnen, ich interessiere mich jetzt brennend für regionale Unterschiede, .....die Faltung des Klopapiers zum Beispiel.........«
ROMY
Anfang 30. Expressive Schönheit. Wohlhabend.
»Ich habe Rotwein getrunken, Zigarillos geraucht. Gerne hätte ich ein paar kleine Hundewelpen ertränkt, aber ich hatte keine da.«
"Die Lebenden und die Toten" wurde am 27. Oktober 2006 im PODIUM des Theaters Ulm uraufgeführt. Regie: Stephan Suschke. Darsteller: Karen Köhler, Aglaja Stadelmann, Christian Taubenheim, Raphael Westermaier.
PRESSESTIMMEN
»Gelungene Uraufführung im Podium: Stephan Suschke inszenierte ›Die Lebenden und die Toten‹, ein Vierpersonen-Gefühlsgemetzel von Johanna Adorján. Eine starke Stunde Theater, die von der Sprache, der Strenge der Regie und den überzeugenden Darstellern lebt....Suschke vertraut der Sprache und den Schauspielern. Alltäglich wirkt der Text, aber er ist kunstvoll pointiert. Dialoge als nebeneinander gehaltene Monologe, bisweilen grausig komisch.«
Südwestpresse (2006)
»Man muß es sich gar nicht unbedingt auf der Bühne vorstellen. Man muß es sich im Leben vorstellen. Man kann es einfach lesen. Eine Liebesgeschichte in tollen Dialogen. Sekunden-Freundschaften, Feindschaften. Das Leben von Elinor und ihren Gegnern. Auf 68 rasanten Seiten. Flucht vor den Eltern in ein merkwürdiges und unheimliches, verlogenes Kampfesleben hinein. Schnell. Lebendig. Traurig. Wütend. Kämpfend und verliebt. Ein Drama über ein Gefühl, das ›kleiner und eckiger‹ ist als Liebe. Und so groß wie die Sehnsucht.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Als subtil arrangierte Beziehungs-Farce ist jetzt die psychokundige Bühnen-Posse "Die Lebenden und die Toten" von Johanna Adorjan auf dem "Podium" des Theaters Ulm durch Regisseur Stephan Suschke zur Uraufführung gebracht worden...In der traurigen Monotonie von Sehnsucht, Begierde, Abstumpfung und Beschädigung glänzen die vier jungen Schauspieler durch individuellen Präzisionsschliff.«
Neue Ulmer Zeitung
»Die Lebenden und die Toten“ von Johanna Adorján (...) [sind] eine lose Clique eher nicht familiär gepolter Singles, die sich gegenseitig ein wahnsinnig trendiges Leben vorspielen.
Stephan Suschke, enger Mitarbeiter Heiner Müllers und bis 1999 Künstlerischer Leiter des Berliner Ensembles, inszeniert die Uraufführung dieser „Krankengeschichte“ als tragikomische Lebensstil-Analyse der Generation Popliteratur – in abstrakter Manier, karg, streng, ab und an furios aufblitzend: Wir sehen Leuten beim Lügen zu. Raphael Westermeiers Elias mimt den abgebrühten Zyniker, der nur selten bange Regungen zulässt („Es ist alles so groß und so dunkel. Ich habe Angst“), und Karen Köhlers Romy will eine fragile Diva sein, die gern über Suizid- oder wahlweise Heirats-Pläne quatscht. Echte Gefühle? Igitt.
Wenn jemandem doch ein „Ich liebe dich“ entfährt, sagt das Gegenüber nur angenervt: „Ich muss jetzt aber wirklich“. Ein Mensch wie Aglaja Stadelmanns verträumte, beseelte Elinor prallt ab am beinharten Sinnleere-Panzer dieser chicken Crew. Regisseur Suschke verschärft den melancholischen Generationen-Befund Adorjáns zur gnadenlosen Zeitgeist-Groteske: Alles nur Fake, coole, trostlose Ich-Inszenierungen. Manchmal amüsant. Im Ganzen aber eine traurige Diagnose. Auf jeden Fall gute Schauspielerarbeit in einer starken, punktgenauen Regie.«
Theater der Zeit
Termine:
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