Wem oder was sich die Philosophie auch immer zuwenden mag, stets fragt sie nach der Identität des Anderen, dessen Erkenntnis Wahrheit zu nennen ist. Doch sind ihre Antworten in Misskredit geraten, denn wie soll sie es tun, wenn nicht belebt von der stillen Geste, im Akte ihrer Zuwendung könne sie das zu Erkennende so belassen wie es an sich ist?
Sagen die ihr internen wie externen Kritiker in ihrem sympathischen ‚common sense’, der stets auf den interventionistischen, performativen, konstruierten Charakter jeglicher Thematisierung verweist. Was sich schlecht ignorieren lässt, möchte man nicht das Medium des eigenen Diskurses überspringen, handele es sich um die eigene Person, die eigene Sozialisation oder lediglich die eigene Sprache.
Doch mag einen die Welt auch passiv so anschauen, wie man sie aktiv anschaut, so ist damit noch nicht gesagt, es könne gar nichts geben, an welchem sich dieser Zusammenhang brechen ließe. Klänge dies zu behaupten nach modischem Dogmatismus, weil kein Nadelöhr mehr sein dürfte; auch nicht der Andere, der es nach der These dieses Buches ist.
Den Anderen bauen wir freilich Stück für Stück aus unseren eigenen Erfahrungen auf, denn andere haben wir gar nicht zur Verfügung. Auch er ist unser Konstrukt; erschöpfen kann er sich darin allerdings nicht. Nur an ihm, nur mit ihm lassen sich die eigenen Fremderfahrungen doppelt einklammern, um sie in ihrem impliziten Bezug auf die eigenen Selbsterfahrungen wie diejenigen des Anderen frei zu legen. In einem komplexen Spiel reziproker Gabe und Annahme, in der wir dem Anderen und uns selbst auf die Spur kommen.
Das Ziel dieses Buches besteht mithin darin, einen altphilosophischen Anspruch zu retten, auf einem Terrain, das traditionell gar nicht als philosophisches gilt.
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