Leidenschaftlich, couragiert und kompromisslos. So lebte und arbeitete John Cassavetes über 30 Jahre an der Peripherie von Hollywood und wurde zum geistigen Vater des amerikanischen, aber auch des europäischen Independentfilms bis hin zu den Filmen der Dogma-Bewegung. Die Einsamkeit des Menschen in unserer Gesellschaft, die Schwierigkeiten von privaten Beziehungen und die Geschichte von Einzelgängern, deren Auflehnung gegen eine Welt der Gewalttätigkeit in Ohnmacht erstickt, - das sind Probleme, um die die Filme von John Cassavetes kreisen. Cassavetes, als Sohn griechischer Einwanderer in New York geboren, hat nach kurzen Auftritten "Vierzehn Stunden" (1951), "Taxi" (1953), "Die Nacht ist voller Schrecken" (1955) und "Entfesselte Jugend" (1956), seinen ersten Kinoerfolg als Schauspieler in Martin Ritts "Ein Mann besiegt die Angst" (1956). Als er in Don Siegels aufregendem Hemingway-Remake "Tod eines Killers" ("The Killers", 1964) an der Seite von Ronald Reagan spielt - (in der Erstverfilmung spielt Burt Lancaster unter der Regie von Robert Siodmak), hat er sich bereits einen Namen als Regisseur gemacht. Doch auch als Schauspieler sorgt er immer wieder für Furore, so etwa als Guy Woodhouse in Roman Polanskis subtilen Horror-Schocker "Rosemaries Baby" (1967). Hier spielt er den Ehemann der brillanten Mia Farrow, die dem Teufel ein Kind schenken soll. Bereits 1957/59 entsteht "Schatten" ein aufregendes Kinoexperiment, mit dem Cassavetes entscheidend den Fortgang des unabhängigen US-Kinos mitprägt. Der experimentelle Umgang mit dem Medium Film, der "Schatten" bestimmt, zeichnet sich auch in den Spielfimen danach ab, wie etwa in dem vielfach als Trilogie bezeichneten Zyklus "Gesichter" (1968), "Ehemänner" (1970) und "Minnie und Moskowicz" (1971). In den späteren Filmen (etwa "Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers", 1976, "Gloria, die Gangsterbraut", 1980) konzentriert sich Cassavetes auf die Geschichten seiner tragischen Helden. Cassavetes erzählt diese Geschichten kaum als Ganzes, sie setzen sich aus Einzelbildern zusammen. Es gibt keinen Ruhepunkt, kaum einen Stillstand der Kamera. Menschliche Beziehungen werden durch die Hektik, in die die Helden geraten, an den Rand gedrängt.
Cassavetes, John